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Körperdaten und Virtual Try-on: Datenschutzregeln und Einwilligungsmuster

Virtual-Try-on- und Grössentools erheben Fotos und Körpermasse. Was die DSGVO und der Illinois BIPA verlangen, wann Körperdaten zu besonderen Kategorien personenbezogener Daten werden und welche Einwilligungsmuster funktionieren.

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Foto: alan KO / Unsplash

DAS WICHTIGSTE Zusammenfassung der Redaktion

  1. Nach Artikel 9 DSGVO sind biometrische Daten nur dann eine besondere Kategorie, wenn sie zur eindeutigen Identifizierung einer Person verarbeitet werden. Ob ein Try-on- oder Messtool das strengere Regime auslöst, hängt daher davon ab, was es mit Bildern und Massen tut; holen Sie je Funktion rechtlichen Rat ein.
  2. Wo die ausdrückliche Einwilligung die Rechtsgrundlage ist, verlangt Artikel 7 DSGVO, dass der Verantwortliche sie nachweisen kann, dass die Einwilligungsanfrage klar von anderen Sachverhalten unterscheidbar ist und dass der Widerruf so einfach ist wie die Erteilung.
  3. Datenminimierung und Speicherbegrenzung nach Artikel 5 sprechen für die Verarbeitung auf dem Gerät, das Löschen der Bilder nach der Vermessung und das Speichern nur dessen, was der Zweck erfordert.
  4. Der Biometric Information Privacy Act von Illinois verlangt eine Einwilligung vor der Erhebung biometrischer Identifikatoren und gewährt ein privates Klagerecht mit Schadenersatz von 1000 US-Dollar je Verstoss bzw. 5000 US-Dollar bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit.
  5. Zalando sagte gegenüber Just Style 2023, die vom Körpermesstool genutzten Fotos verliessen die Smartphones der Kundschaft nicht und die Kundinnen und Kunden kontrollierten die Datenweitergabe. Das ist ein Beispiel für ein Privacy-by-Design-Muster, das andere Händler übernehmen können.

Virtual-Try-on- und Körpermesstools können unter strenge Datenschutzregeln fallen, weil sie Fotos, Körpermasse und teilweise Gesichtsdaten verarbeiten. Ob die Daten als besondere Kategorie oder als biometrische Daten gelten, hängt von Zweck und Technologie ab. Händler sollten daher die Rechtsgrundlage je Funktion festlegen, nur das Nötigste erheben und Kundinnen und Kunden eine klare, widerrufbare Wahl lassen. Dieser Artikel ist ein redaktioneller Überblick und keine Rechtsberatung.

Warum sind Körperdaten für Modehändler ein Datenschutzthema?

Passform- und Try-on-Tools benötigen persönliche Eingaben: Grösse und Gewicht, aus Fotos oder einem Handyvideo abgeleitete Körpermasse oder ein Foto, auf dem Kleidung an der Kundin oder dem Kunden dargestellt wird. Zalandos Messtool etwa verlangt von der Kundschaft zwei Fotos von sich in gut sitzender Kleidung, wie Just Style 2023 berichtete. Solche Eingaben können Gesundheitsinformationen, Körperform und, bei Gesichtsbildern, die Identität offenlegen. Selbst wenn ein Händler nur eine Grösse empfehlen will, können die Daten in den Händen von Angreifern oder im falschen Kontext sensibel sein.

Wann behandelt die DSGVO dies als besondere Kategorie von Daten?

Artikel 9 DSGVO untersagt die Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten, zu denen genetische Daten, Gesundheitsdaten und biometrische Daten zur eindeutigen Identifizierung einer natürlichen Person gehören. Der Artikel definiert biometrische Daten nicht näher. Ein Messtool, das lediglich Abmessungen berechnet, um eine Grösse vorzuschlagen, identifiziert nicht ohne Weiteres jemanden, ein Gesichtsscan zur Wiedererkennung einer zurückkehrenden Kundin oder eines Kunden dagegen schon. Gesundheitsdaten können entstehen, wenn Masse Rückschlüsse auf die Gesundheit einer Person zulassen. Diese Grenzen sind umstritten und hängen vom Sachverhalt ab, dokumentieren Sie die Analyse daher für jede Funktion.

Die wichtigste Ausnahme für den Handel ist die ausdrückliche Einwilligung nach Artikel 9 Absatz 2 Buchstabe a, es sei denn, das Recht der EU oder eines Mitgliedstaats sieht vor, dass das Verbot durch die betroffene Person nicht aufgehoben werden kann. Artikel 9 Absatz 4 erlaubt den Mitgliedstaaten ausserdem, weitere Bedingungen für genetische, biometrische oder Gesundheitsdaten beizubehalten oder einzuführen, sodass nationale Regeln zusätzliche Anforderungen schaffen können.

Datenschutzfragen bei gängigen Try-on-Funktionen
FunktionBetroffene DatenZentrale Datenschutzfragen
Grössenempfehlung aus der KaufhistorieFrühere Bestellungen, RetourenIst das Profiling transparent, und kann die Kundschaft widersprechen?
Grössenempfehlung aus Fotos oder VideoKörperbilder, abgeleitete MasseWerden Bilder nach der Vermessung gelöscht, und bleiben sie auf dem Gerät?
Avatar oder 3D-AnprobeKörpermasse, Avatar-ModellWie lange wird der Avatar aufbewahrt, und kann die Kundschaft ihn löschen?
Fotobasiertes Try-on (eigenes Bild der Kundschaft)Gesichts- und KörperbilderWird Gesichtserkennung eingesetzt, und dient das Bild dem Training von Modellen?
Aggregierte Massdatensätze für GrössentabellenAnonymisierte KörpermasseSind die Daten wirklich anonymisiert, und wurde für diese Verwendung eingewilligt?
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Wie sieht eine gültige Einwilligung aus?

Artikel 7 legt Bedingungen fest. Der Verantwortliche muss nachweisen können, dass die Person eingewilligt hat. Eine Einwilligungsanfrage innerhalb einer umfassenderen Erklärung muss von anderen Sachverhalten klar unterscheidbar, verständlich, leicht zugänglich und in klarer, einfacher Sprache verfasst sein. Personen können ihre Einwilligung jederzeit widerrufen, müssen vor der Einwilligung darauf hingewiesen werden, und der Widerruf muss so einfach sein wie die Erteilung. Bei der Beurteilung, ob eine Einwilligung freiwillig erfolgt, ist eine Kernfrage, ob ein Dienst von einer Einwilligung in eine Verarbeitung abhängig gemacht wird, die der Dienst nicht benötigt.

  1. Fragen Sie im Moment der Nutzung, mit einer kurzen Erklärung, was erfasst wird, warum, wie lange und wer es sieht.
  2. Verwenden Sie für jeden Zweck eine eigene, nicht vorangekreuzte Auswahl und koppeln Sie die Try-on-Einwilligung nicht an Marketing oder Nutzungsbedingungen.
  3. Bieten Sie einen gleichwertigen Weg ohne Körperdaten an, etwa eine manuelle Grössentabelle, damit eine Ablehnung den Kauf nicht blockiert.
  4. Stellen Sie eine sichtbare Funktion bereit, um das gespeicherte Profil einzusehen, zu exportieren und zu löschen, und machen Sie den Widerruf mit einem Tipp möglich.
  5. Protokollieren Sie Version, Zeitpunkt und Umfang der Einwilligung, damit Sie sie später nachweisen können.

Wie prägen Datenminimierung und Speicherbegrenzung das Design?

Artikel 5 verlangt, dass personenbezogene Daten auf das für den Zweck Notwendige beschränkt sind, nicht länger als nötig in identifizierbarer Form gespeichert, für festgelegte Zwecke verwendet und sachlich richtig gehalten werden. Im Try-on-Design führt das zu konkreten Entscheidungen: Bilder auf dem Gerät verarbeiten, nur die benötigten Masse extrahieren, die Bilder sofort löschen, ruhende Profile verfallen lassen und Kundenbilder nicht für das Modelltraining wiederverwenden, ausser es liegt eine gesonderte, spezifische Einwilligung vor. Zalando sagte gegenüber Just Style, die Fotos in seinem Körpermesstool verliessen die Smartphones der Kundschaft nicht und die Kundinnen und Kunden kontrollierten ihre Präferenzen zur Datenweitergabe. Das ist die eigene Aussage des Händlers, sie veranschaulicht aber das Muster.

Aggregierte Körperdaten zur Verbesserung von Grössentabellen können wertvoll sein, doch die Anonymisierung muss echt sein, und wegen der Zweckbindung sollte eine Einwilligung oder eine andere Rechtsgrundlage auch diese zweite Verwendung abdecken.

Was kommt durch den Illinois BIPA für Händler hinzu, die in den USA verkaufen?

Der Biometric Information Privacy Act von Illinois, am 3. Oktober 2008 unterzeichnet, verlangt von privaten Stellen, vor der Erhebung oder Weitergabe biometrischer Identifikatoren eine Einwilligung einzuholen, sie sicher zu speichern und rechtzeitig zu vernichten. Er gewährt Einzelpersonen ein privates Klagerecht, mit Schadenersatz von 1000 US-Dollar je Verstoss und 5000 US-Dollar bei vorsätzlichem oder grob fahrlässigem Verstoss. 2019 entschied der Oberste Gerichtshof von Illinois in Rosenbach v. Six Flags, dass Kläger keinen tatsächlichen Schaden nachweisen müssen, und 2021 wurde im Verfahren zu biometrischen Daten gegen Facebook ein Vergleich über 650 Millionen US-Dollar genehmigt. Ob eine bestimmte Try-on-Funktion biometrische Identifikatoren wie die Gesichtsgeometrie erhebt, richtet sich nach den Definitionen des Gesetzes. Prüfen Sie daher jede Funktion, bevor Sie in Illinois starten. Weitere US-Bundesstaaten haben eigene Regeln.

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Was sollte ein Händler vor dem Start tun?

  • Erfassen Sie jeden Datenfluss: was erhoben wird, wo es verarbeitet wird, wer Auftragsverarbeiter ist, wo es gespeichert und wann es gelöscht wird.
  • Führen Sie eine Datenschutz-Folgenabschätzung durch, wenn die Verarbeitung voraussichtlich ein hohes Risiko birgt, und halten Sie die Rechtsgrundlage je Funktion fest.
  • Prüfen Sie Anbieterverträge auf Einschränkungen bei der Nutzung der Bilder Ihrer Kundschaft zum Training der Modelle des Anbieters.
  • Testen Sie den Einwilligungsablauf mit echten Nutzenden auf Verständlichkeit und messen Sie Ablehnungsquoten als Produktkennzahl.
  • Bereiten Sie einen Notfallplan vor, denn Körperbilder und Körpermasse schaden Kundinnen und Kunden bei einem Leck stärker als eine übliche Bestellhistorie.

Häufige Fragen

Sind Virtual-Try-on-Daten nach der DSGVO biometrische Daten?

Nicht automatisch. Artikel 9 erfasst biometrische Daten, die zur eindeutigen Identifizierung einer Person verarbeitet werden. Ein Tool, das lediglich Masse ableitet, um eine Grösse vorzuschlagen, kann ausserhalb davon liegen, eines mit Gesichtserkennung läge innerhalb. Die Analyse hängt vom Sachverhalt und vom lokalen Recht ab, holen Sie daher rechtlichen Rat ein.

Brauchen Händler für Körpermesstools eine ausdrückliche Einwilligung?

Handelt es sich um Daten einer besonderen Kategorie, ist die ausdrückliche Einwilligung für Händler die wichtigste verfügbare Grundlage. Auch wo das nicht der Fall ist, ist eine klare und widerrufbare Einwilligungsoption gute Praxis. Nach Artikel 7 muss die Einwilligung nachweisbar, von anderen Sachverhalten unterscheidbar und so einfach zu widerrufen wie zu erteilen sein.

Dürfen Händler Try-on-Fotos der Kundschaft zum Training von KI-Modellen nutzen?

Nur mit einer Rechtsgrundlage, die diesen gesonderten Zweck abdeckt, und das heisst bei sensiblen Bildern in der Regel eine spezifische Einwilligung. Die Zweckbindung nach Artikel 5 beschränkt die Weiterverwendung über den ursprünglichen Zweck hinaus, und Anbieterverträge sollten festhalten, ob Bilder für das Training genutzt werden.

Was ist der Illinois Biometric Information Privacy Act?

Ein Gesetz des Bundesstaats, unterzeichnet am 3. Oktober 2008, das eine Einwilligung vor der Erhebung biometrischer Identifikatoren, sichere Speicherung und rechtzeitige Vernichtung verlangt. Es erlaubt Privatklagen mit Schadenersatz von 1000 US-Dollar je Verstoss bzw. 5000 US-Dollar bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit.

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