Google AI Try-on und Doppl: Was virtuelle Anprobe direkt in der Suche für Modemarken bedeutet
Google hat die virtuelle Anprobe in gut einem Jahr von einem Labs-Experiment in Search und Shopping überführt und dann seine eigenständige App Doppl eingestellt. Was geschehen ist und was es für Marken bedeutet.
DAS WICHTIGSTE Zusammenfassung der Redaktion
- Google kündigte an der I/O am 20. Mai 2025 ein Experiment zur KI-gestützten virtuellen Anprobe in Search Labs an, bei dem Shopper in den USA ein Ganzkörperfoto von sich hochladen konnten, um Bekleidungsangebote am eigenen Körper zu sehen.
- Laut Google nutzt die Funktion ein eigens für Mode entwickeltes Bildgenerierungsmodell, das berücksichtigt, wie Materialien an unterschiedlichen Körpern Falten werfen, sich dehnen und fallen, und sie funktioniert über Milliarden von Angeboten in Googles Shopping Graph.
- Nach einem breiteren US-Launch für Bekleidung Mitte 2025 wurde die Anprobe im Oktober 2025 auf Australien, Kanada und Japan ausgeweitet, und Schuhe kamen als Kategorie hinzu.
- Doppl, eine im Juni 2025 in den USA lancierte eigenständige Anprobe-App von Google Labs, erhielt im Dezember 2025 einen shoppbaren Entdeckungsfeed. Google Labs stellte die App jedoch am 30. April 2026 ein, die Anprobe bleibt bei Angeboten und Bildergebnissen in Google verfügbar.
- Für Marken bedeutet die Anprobe direkt in der Suche, dass die Produktbilder und -daten, die sie ohnehin an Such- und Shoppingkanäle liefern, zum Ausgangsmaterial einer Anprobe werden, die sie nicht kontrollieren. Bildqualität und korrekte Produktdaten werden damit wichtiger als bisher.
Google hat die virtuelle Anprobe von einer Nischenfunktion einzelner Marken zu einer Funktion der Suche selbst gemacht. Zwischen Mai 2025 und April 2026 überführte das Unternehmen eine KI-gestützte Anprobe von einem Search-Labs-Experiment in mehreren Ländern in Google Search und Shopping, lancierte eine eigenständige App namens Doppl, stellte sie wieder ein und integrierte die Technologie zurück in die Produktangebote. Für Modemarken lautet die Lehre, dass die Anprobe zunehmend auf der Oberfläche einer Plattform und mit den eigenen Produktbildern der Marke stattfindet und nicht nur auf der Website der Marke.
Was hat Google für die virtuelle Anprobe lanciert?
Google kündigte die Funktion am 20. Mai 2025 an seiner Entwicklerkonferenz I/O an. In einem Beitrag in seinem offiziellen Blog teilte das Unternehmen mit, dass am selben Tag in den USA ein Anprobe-Experiment in Search Labs anlaufe. Shopper konnten bei einem Bekleidungsangebot auf ein Symbol „Try it on“ tippen, ein Ganzkörperfoto von sich hochladen und sehen, wie der Artikel an ihnen aussehen würde. Looks liessen sich speichern oder teilen. Die ersten Kategorien waren Hemden und Shirts, Hosen, Röcke und Kleider.
Google beschrieb die Technologie als neues, eigens für Mode entwickeltes Bildgenerierungsmodell, das versteht, wie Materialien an unterschiedlichen Körpern Falten werfen, sich dehnen und fallen. Zudem hiess es, die Funktion werde über Milliarden von Bekleidungsangeboten in Googles Shopping Graph funktionieren, der Produktdatenbank hinter Google Shopping. In derselben Ankündigung beschrieb Google eine separate agentische Checkout- und Preisverfolgungsfunktion. Sie gehört nicht zur Anprobe, zeigt aber die Richtung: Entdeckung, Visualisierung und Kauf finden zunehmend innerhalb der Suchoberfläche statt.
Wie entwickelte sich der Rollout nach dem Launch?
Nach dem Labs-Test führte Google die KI-Anprobe für Kleidung für Shopper in den USA ein. TechCrunch berichtete am 8. Oktober 2025, zwei Monate nach diesem Launch, dass Google die Anprobe für Kleidung auf Australien, Kanada und Japan ausweite und Schuhe hinzufüge, mit demselben Ablauf: auf „Try It On“ tippen, ein Ganzkörperfoto hinzufügen und den Artikel innerhalb von Sekunden an einer digitalen Version von sich selbst sehen. Derselbe Bericht hielt fest, dass Amazon und Walmart ähnliche Funktionen zur virtuellen Anprobe eingeführt hatten. Google betrat also ein bereits umkämpftes Feld, statt ein neues zu schaffen.
| Datum | Meilenstein | Umfang |
|---|---|---|
| 20. Mai 2025 | Anprobe-Experiment an der I/O in Search Labs angekündigt | USA; Hemden und Shirts, Hosen, Röcke, Kleider |
| 26. Juni 2025 | App Doppl von Google Labs lanciert | USA; iOS und Android |
| Mitte 2025 | Anprobe für Kleidung über Search Labs hinaus für Shopper geöffnet | USA |
| 8. Oktober 2025 | Anprobe auf neue Märkte und auf Schuhe ausgeweitet | Australien, Kanada, Japan |
| 8. Dezember 2025 | Doppl erhält shoppbaren Entdeckungsfeed mit KI-generierten Videos | USA; Nutzerinnen und Nutzer ab 18 Jahren |
| 30. April 2026 | App Doppl von Google Labs eingestellt | Anprobe bleibt bei Angeboten und Bildergebnissen in Google verfügbar |

Was war Doppl, und warum wurde die App eingestellt?
Doppl war eine experimentelle App von Google Labs, die am 26. Juni 2025 in den USA für iOS und Android lanciert wurde. Nutzerinnen und Nutzer luden ein Foto oder einen Screenshot eines Outfits hoch, aus einem Shop, von einer Freundin oder aus sozialen Medien, und Doppl zeigte es an einer animierten digitalen Version von ihnen selbst. Die App konnte zudem statische Bilder in KI-generierte Videos verwandeln, um anzudeuten, wie sich ein Outfit bewegen könnte. Google benannte die Grenzen offen: Im Launch-Beitrag hiess es, die App liege möglicherweise nicht immer richtig, und Passform, Aussehen und Kleidungsdetails seien möglicherweise nicht immer genau.
Am 8. Dezember 2025 teilte Google mit, dass Doppl einen shoppbaren Entdeckungsfeed erhalten habe. Die Empfehlungen basierten auf einem Stilprofil, das aus den angegebenen Vorlieben der Nutzerinnen und Nutzer und den Artikeln entstand, mit denen sie interagiert hatten. Nahezu alles im Feed war mit direkten Links zu Händlern shoppbar, und der Feed enthielt KI-generierte Videos realer Produkte. Er war auf Nutzerinnen und Nutzer in den USA ab 18 Jahren beschränkt.
Google Labs kündigte dann an, die App Doppl am 30. April 2026 einzustellen. Danach funktioniere sie nicht mehr und werde aus den App Stores entfernt. Die offizielle Seite stellte dies als Abschluss des Doppl-Experiments dar und verwies auf die virtuelle Anprobe bei Produktangeboten und Bildergebnissen in Google, wo Shopper auf eine Schaltfläche „Try it on“ klicken können. Google veröffentlichte keine Nutzungszahlen. Anhand öffentlicher Informationen lässt sich deshalb nicht beurteilen, wie verbreitet Doppl genutzt wurde.
Was bedeutet die Anprobe direkt in der Suche für Modemarken?
Die wichtigste Verschiebung betrifft die Kontrolle. Eine Marke, die die Anprobe in ihre eigene Website integriert, entscheidet, welche Produkte freigeschaltet werden, wie Kleidungsstücke fotografiert und wie die Ergebnisse präsentiert werden. Läuft die Anprobe bei Angeboten in der Shoppingdatenbank einer Suchmaschine, werden die bestehenden Produktbilder und -daten der Marke zum Rohmaterial, und das Modell der Plattform entscheidet, wie das Kleidungsstück am Körper des Shoppers dargestellt wird.
- Bildqualität wird zur Eingangsgrösse der Anprobe. Saubere, gut ausgeleuchtete Produktbilder, die das ganze Kleidungsstück zeigen, geben einem generativen Modell mehr Material als beschnittene oder stark inszenierte Aufnahmen.
- Die Genauigkeit der Produktdaten wird wichtiger. Angaben zu Kategorie, Farbe, Material und Grösse prägen, wie Artikel in Shoppingergebnissen erscheinen, und Fehler wirken weiter, wenn die Plattform neue Erlebnisse darauf aufbaut.
- Erwartungen entstehen, bevor der Shopper die Marke erreicht. Suggeriert ein Anprobebild eine weitere oder längere Passform als das echte Kleidungsstück, kann die Enttäuschung als Retoure bei der Marke ankommen.
- Die Anprobe ist visuell, keine Grössengarantie. Googles eigener Hinweis bei Doppl erinnert daran, dass die generative Anprobe das Aussehen zeigt, aber nicht bestätigt, dass eine bestimmte Grösse passt.
Senkt die generative Anprobe die Retouren?
Es gibt bisher keine öffentlichen Belege dafür, dass Googles Anprobe die Retouren senkt, und das Unternehmen hat dies auch nicht behauptet. Die generative Anprobe arbeitet mit einem Foto des Shoppers und einem Bild des Produkts. Sie erfasst weder genaue Körpermasse noch die Schnittmasse des Kleidungsstücks und beantwortet deshalb die Frage „Gefällt mir, wie das an mir aussieht?“ besser als die Frage „Passt mir Grösse M?“. Händler, die messbare Retourenreduktionen durch Passformtechnologie ausweisen, etwa Zalando mit seiner Grössenberatung und messbasierten Pilotprojekten für Umkleidekabinen, stützen sich auf Körpermasse, Retourengründe und Produktmasse und nicht allein auf Bilder.
Damit ist die Anprobe direkt in der Suche für die Retouren nicht bedeutungslos. Ein Shopper, der ein Kleidungsstück bereits an einem Abbild seines eigenen Körpers gesehen hat, bestellt womöglich seltener mehrere Farben oder Styles, um sie zu Hause zu vergleichen. Solange aber weder Plattformen noch unabhängige Forschende Ergebnisse veröffentlichen, sollten Marken sie als Funktion für Entdeckung und Kaufsicherheit betrachten und nicht als Lösung für Retouren.

Was sollten Modemarken jetzt tun?
- Prüfen Sie die Produktbilder und -daten, die Sie an Such- und Shoppingkanäle liefern, mit Blick auf die Anprobe: Ansichten des ganzen Kleidungsstücks, farbgetreue Darstellung sowie korrekte Kategorie- und Materialattribute.
- Beobachten Sie in den Märkten, in denen die Funktion live ist, wo Ihre Produkte mit aktivierter Anprobe erscheinen, und prüfen Sie Stichproben auf irreführende Passform oder Länge.
- Halten Sie die Grössen- und Passformberatung auf Ihren eigenen Seiten stark, denn die Anprobe auf Plattformen ersetzt keine messbasierte Grössenberatung.
- Erfassen Sie Retouren aus Such- und Shoppingtraffic wo möglich separat, damit eine Wirkung der Plattform-Anprobe in Ihren eigenen Daten sichtbar wird.
Googles Jahr der Experimente zeigt, wie schnell eine Plattform die Anprobe Millionen von Shoppern zugänglich machen kann und wie schnell sie das Format wieder ändern kann. Marken, die ihre Produktbilder und -daten als Infrastruktur und nicht als Kampagnenmaterial behandeln, sind am besten aufgestellt, um zu profitieren, welche Oberfläche sich auch immer durchsetzt.
Häufige Fragen
Wie funktioniert die virtuelle Anprobe von Google?
Bei unterstützten Bekleidungs- und Schuhangeboten tippen Shopper auf eine Anprobe-Schaltfläche und laden ein Ganzkörperfoto von sich hoch. Googles eigens entwickeltes Bildgenerierungsmodell zeigt den Artikel dann innerhalb von Sekunden am Körper des Shoppers. Looks lassen sich speichern oder teilen.
Wo ist die virtuelle Anprobe von Google verfügbar?
Google öffnete die Anprobe Mitte 2025 für Shopper in den USA und weitete sie laut TechCrunch im Oktober 2025 auf Australien, Kanada und Japan aus, wobei Schuhe hinzukamen. Die Verfügbarkeit kann sich ändern. Marken sollten deshalb für jeden Markt die aktuelle Dokumentation von Google prüfen.
Ist die App Doppl noch verfügbar?
Nein. Google Labs hat die App Doppl am 30. April 2026 eingestellt und dies als Abschluss des Experiments bezeichnet. Laut Google bleibt die Anprobe-Technologie bei Produktangeboten und Bildergebnissen in Google verfügbar.
Zeigt die Anprobe von Google, ob eine Grösse passt?
Nicht zuverlässig. Googles eigener Launch-Beitrag zu Doppl warnte, dass Passform, Aussehen und Kleidungsdetails möglicherweise nicht immer genau sind. Die generative Anprobe zeigt, wie ein Kleidungsstück aussehen könnte, nutzt aber keine genauen Körper- oder Kleidungsmasse, wie es Tools zur Grössenempfehlung tun.
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