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Vol. I · No.
7. Oktober 2026
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Wie Zalando KI einsetzt: Assistent, Personalisierung und Grössenberatung

Zalando setzt KI bei Suche, Inspiration und Passform ein. Was das Unternehmen aufgebaut hat, wie Daten und Modelle zusammenspielen, welche Ergebnisse veröffentlicht sind und was unbewiesen bleibt.

DAS WICHTIGSTE Zusammenfassung der Redaktion

  1. Zalando nutzt KI in drei kundennahen Bereichen: einem konversationellen Shopping-Assistenten auf Basis von OpenAI-Modellen, einem personalisierten Discovery-Feed und einer Grössenberatung, die auf Retourendaten, Massangaben der Marken und Computer Vision beruht.
  2. Laut Zalando ist rund ein Drittel aller Retouren grössenbedingt, und die Grössenberatung hat die grössenbedingten Retouren um 10 Prozent gesenkt.
  3. Gemäss einer Kundenstory von OpenAI folgten auf die Umstellung des Zalando Assistant auf GPT-4o mini 23 Prozent mehr Produktklicks und über 40 Prozent mehr Wunschlisten-Einträge.
  4. Zalando hat die Wirkung des Assistenten auf Conversion, Warenkorbwert, Retouren oder Marge nicht offengelegt; sein kommerzieller Nutzen ist in öffentlichen Daten daher unbewiesen.
  5. Die übertragbare Lehre: dort beginnen, wo bereits eigene Daten vorliegen, etwa Retourengründe und Passform-Feedback, und das Sprachmodell als Schnittstelle über dem eigenen Katalog behandeln.

Zalando setzt KI an drei Stellen mit direktem Kundenkontakt ein: bei einem konversationellen Shopping-Assistenten auf Basis grosser Sprachmodelle, bei personalisierten Inspirationsangeboten wie dem KI-gestützten Feed und bei einer Grössenberatung, die Retourendaten, Massangaben der Marken und Computer Vision kombiniert. Das Unternehmen hat einige Ergebnisse veröffentlicht, namentlich einen Rückgang der grössenbedingten Retouren um 10 Prozent dank Grössenberatung. Die meisten Zahlen zur kommerziellen Wirkung bleiben jedoch unveröffentlicht.

Was hat Zalando aufgebaut?

Zalando, die 2008 gegründete Onlineplattform mit Sitz in Berlin, meldete im Juni 2024 62 Millionen aktive Kundinnen und Kunden sowie mehr als 7000 Markenpartner in 29 Märkten. Auf dieser Plattform hat das Unternehmen mehrere KI-Funktionen aufgebaut:

  • Zalando Assistant: ein konversationelles Tool, erstmals 2023 in vier deutsch- und englischsprachigen Märkten eingeführt, mit dem Kundinnen und Kunden in natürlicher Sprache beschreiben, was sie suchen, und Produktvorschläge erhalten.
  • Trend Spotter: eine wöchentlich aktualisierte Übersicht über aufkommende Trends in sechs europäischen Städten (Berlin, Paris, Mailand, Antwerpen, Stockholm und Kopenhagen), die später in den Assistenten integriert wurde.
  • Discovery-Feed: ein personalisierter Feed mit Produkten, Marken und Inhalten, im Juli 2025 in sechs Ländern lanciert und im Oktober 2025 auf 16 weitere Märkte ausgeweitet.
  • Grössenberatung: Grössenempfehlungen auf Basis der Kauf- und Retourenhistorie sowie seit Juli 2023 eine Funktion, die Körpermasse anhand von zwei Smartphone-Fotos vorhersagt.

Der Bericht des Vorstands zur Hauptversammlung 2026 zeigt, dass der Assistent näher an die Transaktion rückt: Kundinnen und Kunden können einen Artikel in den Warenkorb legen und eine Grösse wählen, fragen, was bereits im Warenkorb liegt, welche Produkte dazu passen, und direkt aus der Unterhaltung zum Checkout wechseln.

Warum hat Zalando in KI investiert?

Zwei Probleme ziehen sich durch die öffentlichen Aussagen von Zalando. Das erste ist die Produktfindung. Bei einem sehr grossen Sortiment erschweren Suchleiste und Kategoriefilter es den Kundinnen und Kunden, ein Bedürfnis wie ein Outfit für einen bestimmten Anlass auszudrücken. Zalando berichtete, dass die im Assistenten eingegebenen Anfragen dreimal so lang waren wie Eingaben in der Suchleiste, was auf komplexere Anliegen hindeutet. Das zweite sind Retouren. Laut Zalando ist rund ein Drittel aller Retouren grössenbedingt, womit die Passform direkt zu einer Kosten- und Nachhaltigkeitsfrage wird.

Über beidem steht ein strategisches Motiv. Als Zalando den Discovery-Feed im Oktober 2025 ausweitete, bezeichnete Mitgründer Robert Gentz dies als entscheidenden Moment auf dem Weg von einer primär transaktionalen zu einer inspirierenden Plattform. KI-gestützte Personalisierung ist der Mechanismus hinter diesem Wandel, denn ein Feed funktioniert nur, wenn er für jede einzelne Kundin und jeden einzelnen Kunden relevant ist.

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Wie funktioniert das (Daten, Modelle, Prozess)?

Der Assistent läuft auf Modellen von OpenAI. Gemäss einer von OpenAI veröffentlichten Kundenstory stellte Zalando den Assistenten innerhalb von zwei Wochen von GPT-3.5 auf GPT-4o mini um, leitete zunächst die Hälfte des Traffics auf das neue Modell und verbesserte die Antwortqualität mit komponentenspezifischen Evaluationen und optimiertem Few-Shot-Prompting. Das Sprachmodell interpretiert die Anfrage und formuliert die Antwort; die angezeigten Produkte stammen aus Zalandos eigenem Katalog und eigenen Kundendaten.

Trend Spotter beruht laut Zalando nicht auf Verkäufen, sondern auf Signalen des Kundeninteresses: Suchanfragen, Likes und Warenkorb-Hinzufügungen. Die Grössen-Engine greift auf eine breitere Datenbasis zurück: von den Marken gelieferte Artikelmasse, die Retourenhistorie der Kundschaft samt angegebenen Retourengründen, Passform-Feedback zu früheren Bestellungen, im Profil hinterlegte Grössen, Grössen von anderswo gekauften Artikeln, Rückmeldungen von Fit-Models, die Kleidungsstücke anprobieren, sowie Computer Vision, die Grössenmuster bei ähnlichen Artikeln derselben Marke erkennt.

Zalandos KI-Meilensteine
JahrMeilensteinQuelle
2023Zalando Assistant in vier deutsch- und englischsprachigen Märkten lanciertOpenAI-Kundenstory
2023Grössenempfehlungen auf Basis von Körpermassen aus Handyfotos verfügbar (Juli)Zalando-Unternehmenswebsite
2024Über 500'000 Kundinnen und Kunden haben den Assistenten genutzt; Trend Spotter integriert (Juni)Zalando-Unternehmenswebsite
2024Assistent auf 25 Märkte und über 20 Sprachen ausgeweitet; Modellwechsel auf GPT-4o miniOpenAI-Kundenstory
2025Discovery-Feed in sechs Ländern lanciert (Juli), auf 22 Märkte ausgeweitet (Oktober)FashionUnited
2026HV-Bericht zeigt Warenkorb- und Checkout-Funktionen im Assistenten und über 25 Millionen Feed-NutzendeZalando-HV-Bericht 2026

Welche Ergebnisse hat Zalando veröffentlicht?

Zalando und sein Modellanbieter haben nur wenige Kennzahlen veröffentlicht. Keine davon ist geprüft, und die meisten messen Engagement statt Gewinn:

  • Grössenberatung: Laut Zalando haben die Angebote zur Grössenberatung die grössenbedingten Retouren um 10 Prozent reduziert.
  • Nutzung des Assistenten: Bis Juni 2024 hatten mehr als 500'000 Kundinnen und Kunden den Assistenten genutzt, mit durchschnittlich rund vier Wortwechseln pro Unterhaltung.
  • Engagement im Assistenten: Die Kundenstory von OpenAI nennt 23 Prozent mehr Produktklicks, über 40 Prozent mehr Wunschlisten-Einträge und 5 Prozent weniger als nicht hilfreich bewertete Empfehlungen; der Traffic stieg auf das Zwölffache, ohne dass die Kosten nennenswert zunahmen.
  • Reichweite des Feeds: Laut HV-Bericht 2026 haben seit dem Start mehr als 25 Millionen einzelne Nutzende mit dem Feed interagiert.

Zalando hat weder die Wirkung des Assistenten auf Conversion, Warenkorbwert, Retouren oder Marge offengelegt noch die Betriebskosten der Sprachmodelle. Einige Engagement-Zahlen stammen aus einer Publikation des Anbieters, was bei ihrer Gewichtung zu berücksichtigen ist.

Wo liegen die Grenzen und offenen Fragen?

Das Folgende ist redaktionelle Analyse, keine Unternehmensangabe. Engagement ist nicht dasselbe wie Mehrumsatz: Mehr Klicks und Wunschlisten-Einträge können auch bedeuten, dass Kundinnen und Kunden länger stöbern, bevor sie dieselben Artikel kaufen. Ohne kontrollierte Ergebnisse zu Conversion und Retouren lässt sich der Business Case des Assistenten von aussen nicht beurteilen.

Die Grössenzahl muss sorgfältig gelesen werden. Bezöge sich der Rückgang um 10 Prozent auf alle grössenbedingten Retouren, entspräche er rund drei Prozent aller Retouren, da Grössenprobleme etwa ein Drittel ausmachen; Zalando hat diese Rechnung nicht selbst angestellt. Zudem hängt die Grössenberatung davon ab, dass die Marken korrekte Masse liefern, was bei Tausenden von Partnern unterschiedlich gut gelingt.

Der Aufbau des Assistenten auf einem externen Modell schafft Abhängigkeit von Preisgestaltung, Latenz und Modelländerungen des Anbieters, auch wenn Zalandos Migration innerhalb von zwei Wochen zeigt, dass sich dieses Risiko mit guter Evaluation beherrschen lässt. Schliesslich nutzen Personalisierung und Körpervermessung sensible Personendaten. Einwilligung, Transparenz und Datenminimierung sind daher laufende Pflichten und keine einmaligen Designentscheide.

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Was können andere Modeunternehmen daraus lernen?

  1. Mit einem kostspieligen, messbaren Problem beginnen, für das bereits eigene Daten vorliegen. Retourengründe und Passform-Feedback waren Zalandos Rohmaterial für die Grössenberatung.
  2. Zuerst in Produktdaten investieren. Eine Grössenberatung ist nur so gut wie die Artikelmasse, die die Marken liefern.
  3. Das Sprachmodell als Schnittstelle über dem eigenen Katalog behandeln, damit sich das Modell austauschen lässt, ohne das Produkt neu zu bauen.
  4. Vor der Skalierung Evaluationen auf Komponentenebene aufbauen; sie haben die schnelle Modellmigration erst möglich gemacht.
  5. Geschäftsergebnisse messen, nicht nur Engagement, und vorab festlegen, welche Kennzahl weitere Investitionen rechtfertigt.

Häufige Fragen

Nutzt Zalando ChatGPT?

Der Assistent von Zalando läuft auf Modellen von OpenAI. Laut OpenAI wurde er zunächst auf GPT-3.5 aufgebaut und später auf GPT-4o mini umgestellt. Die Produktvorschläge stützen sich auf Zalandos eigenen Katalog und eigene Kundendaten, nicht allein auf das allgemeine Modell.

Was ist der Zalando Assistant?

Ein konversationelles Shopping-Tool in der Zalando-App und auf der Website, mit dem Kundinnen und Kunden in natürlicher Sprache beschreiben, was sie suchen. Er schlägt Produkte vor, bezieht Trendinformationen aus Trend Spotter ein und kann laut HV-Bericht 2026 von Zalando Artikel in den Warenkorb legen und zum Checkout führen.

Wie funktioniert die Grössenberatung von Zalando?

Sie kombiniert Massangaben der Marken, die Kauf- und Retourenhistorie der Kundschaft samt Retourengründen, Passform-Feedback, Profilgrössen, Rückmeldungen von Fit-Models und Computer Vision. Seit Juli 2023 erhalten Kundinnen und Kunden zudem Empfehlungen auf Basis von Körpermassen, die aus zwei Smartphone-Fotos geschätzt werden.

Hat KI die Retouren bei Zalando reduziert?

Laut Zalando hat die Grössenberatung die grössenbedingten Retouren um 10 Prozent gesenkt, und rund ein Drittel aller Retouren ist grössenbedingt. Die Wirkung des konversationellen Assistenten auf die Retouren hat Zalando nicht veröffentlicht.

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