8. Oktober 2026Internationale Ausgabe
Vol. I · No.
8. Oktober 2026
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Design & Produkt · Fallstudie

Wie nutzt Moncler Daten und KI in Design, Clienteling und Supply Chain?

Moncler hat KI laut öffentlichen Angaben zuerst in Planung, Qualitätskontrolle und Nachschub eingesetzt, danach in Clienteling-Tools und einer neu gestalteten Website. Aufschlussreich ist, was das Unternehmen offenlegt und was nicht.

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Foto: Collab Media / Unsplash

DAS WICHTIGSTE Zusammenfassung der Redaktion

  1. Im Juli 2020 erklärte Moncler, dass KI bereits Qualitätskontrolle, Lagerhaltung, Bedarfsplanung und Filialnachschub unterstütze und auf Produktempfehlungen, Kundenservice, Merchandising und Preisgestaltung ausgeweitet werden solle.
  2. Die Client Advisors von Moncler nutzen laut der Mitteilung zur Digitalstrategie von 2020 eine App namens Monclient, um Bestände kanalübergreifend zu prüfen, digitale Zahlungen entgegenzunehmen und After-Sales-Anfragen zu bearbeiten.
  3. Der Umsatz der Marke Moncler betrug 2025 2'720,9 Millionen Euro, wovon 86,7% auf Direct-to-Consumer-Kanäle entfielen. Damit verfügt die Marke bei den meisten Verkäufen über First-Party-Daten.
  4. Laut Fashionbi hat Moncler im September 2025 ein neu gestaltetes Moncler.com lanciert, das mit generativer KI-Technologie von Google entwickelt wurde: 27% mehr Zeit pro Sitzung und 49% höheres mobiles Engagement.
  5. Moncler hat den Einsatz generativer KI im Bekleidungsdesign nicht öffentlich beschrieben. Die Lehre für das Design lautet deshalb, dass Daten kreative Entscheidungen speisen, nicht dass KI Produkte entwirft.

Moncler setzt Daten und KI vor allem im Hintergrund ein: in Bedarfsplanung, Nachschub, Lagerhaltung und Qualitätskontrolle sowie in Tools, mit denen Client Advisors Kundinnen und Kunden kanalübergreifend betreuen. Der sichtbarste Schritt der jüngeren Zeit ist ein neu gestaltetes Moncler.com, das mit generativer KI-Technologie von Google entwickelt wurde. Den Einsatz von KI beim Entwurf von Kleidungsstücken hat das Unternehmen nicht öffentlich beschrieben, was für Luxusmarken, die abwägen, wo KI hingehört, selbst ein nützliches Signal ist.

Was hat Moncler öffentlich über KI gesagt?

Die klarste Primärquelle ist die Ankündigung der Digitalstrategie von Moncler vom 27. Juli 2020. Darin erklärte der Konzern, er wechsle von «Big Data» zu «Smart Data», um ein vollständigeres Bild der Konsumentinnen und Konsumenten zu gewinnen und schneller zu entscheiden. Künstliche Intelligenz unterstütze bereits Qualitätskontrolle, Lagerhaltung, Bedarfsplanung und Filialnachschub und solle auf Produktempfehlungen, Kundenservice, Merchandising und Preisgestaltung ausgeweitet werden.

Dieselbe Mitteilung beschrieb auch die organisatorische Seite. Moncler schuf eine Funktion Digital, Engagement and Transformation, verstärkte sein lokales Digitalteam in China und holte den E-Commerce ins eigene Haus, indem es die Zusammenarbeit mit der YOOX NET-A-PORTER GROUP beendete. Der Rollout begann im Oktober 2020 in den USA und Kanada und wurde 2021 abgeschlossen. Chairman und CEO Remo Ruffini setzte das Ziel, den Anteil des Onlinegeschäfts innerhalb von drei Jahren zu verdoppeln.

Offengelegte Daten- und KI-Anwendungen von Moncler nach Stufe der Wertschöpfungskette
StufeWas Moncler oder seriöse Medien berichtet habenStatus
Planung und Supply ChainKI-Unterstützung für Bedarfsplanung, Filialnachschub und LagerhaltungIm Einsatz (Mitteilung 2020)
QualitätKI-Unterstützung für die QualitätskontrolleIm Einsatz (Mitteilung 2020)
ClientelingApp Monclient für kanalübergreifende Bestände, Zahlungen, After-Sales; Video- und FernverkaufIm Einsatz (Mitteilung 2020)
Merchandising und PreisgestaltungGeplante Ausweitung von KI auf Merchandising, Preisgestaltung und EmpfehlungenAngekündigte Absicht (2020)
E-CommerceNeugestaltung von Moncler.com, entwickelt mit generativer KI-Technologie von GoogleLanciert im September 2025 (Fashionbi)
EchtheitRFID-NFC-Verifizierung von Kleidungsstücken, mit Blockchain erweitertAngekündigt 2020
DesignKeine öffentliche Angabe zu generativer KI im BekleidungsdesignNicht offengelegt

Wie nutzt Moncler Daten im Clienteling?

Das Clienteling von Moncler beruht darauf, dass Advisors das Gesamtbild sehen. Laut der Mitteilung von 2020 nutzen Client Advisors die App Monclient, um Bestände kanalübergreifend zu prüfen, digitale Zahlungen entgegenzunehmen und After-Sales-Anfragen zu bearbeiten, ohne zur Kasse gehen zu müssen. Videonachrichten, digitale Termine, Fernverkauf und «phygitale» Events unterstützen den beziehungsorientierten Verkauf. Ein Livestream auf Weibo zur Kollektion 7 Moncler Fragment Hiroshi Fujiwara erreichte nach damaligen Angaben des Unternehmens an einem Tag 32 Millionen Aufrufe.

Die kommerzielle Struktur macht diese Daten ungewöhnlich reichhaltig. Gemäss den Ergebnissen für das Geschäftsjahr 2025 erzielte die Marke Moncler 2'720,9 Millionen Euro, davon 2'359,6 Millionen (86,7%) über Direct-to-Consumer-Kanäle und 361,3 Millionen (13,3%) im Wholesale, der zu konstanten Wechselkursen um 4% zurückging. Wenn der Grossteil der Verkäufe über eigene Stores und den eigenen E-Commerce läuft, verfügt die Marke über First-Party-Daten zu den meisten Transaktionen. Das ist die Voraussetzung für jedes aussagekräftige Clienteling- oder Personalisierungsmodell.

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Was hat sich 2025 bei Moncler.com geändert?

Laut der Analyse von Fashionbi zur Berichterstattung des Konzerns für 2025 lancierte Moncler im September 2025 ein neu gestaltetes Moncler.com, das mit generativer KI-Technologie von Google entwickelt wurde. Das Unternehmen berichtete, dass Besucherinnen und Besucher 27% mehr Zeit pro Sitzung verbrachten und das mobile Engagement um 49% stieg. Welche Funktionen generative KI nutzen, hat Moncler in seinen Ergebnisunterlagen nicht ausgeführt. Marken sollten diese Werte daher als Engagement-Indikatoren verstehen, nicht als Beleg für Umsatzsteigerungen. Die Medienmitteilung zum Geschäftsjahr 2025 hält selbst fest, dass der stationäre Kanal weiterhin besser abschnitt als der Onlinekanal.

Setzt Moncler KI in Design und Produktentwicklung ein?

Öffentlich nicht, zumindest nicht in der Art, wie generative Designtools üblicherweise diskutiert werden. Die Unterlagen von Moncler zum Geschäftsjahr 2025 beschreiben Produktarbeit wie die Capsule Denim Research von Stone Island, und Fashionbi berichtet von einer ausgebauten Strickwarenproduktion in Italien und der weiteren Stärkung der Outerwear-Fertigung in Rumänien. Keine dieser Quellen beschreibt, dass KI Entwürfe generiert. Für eine Marke, deren Wert auf technischer Outerwear und kreativen Kooperationen beruht, besteht die Rolle der Daten darin, den kreativen Prozess zu informieren (welche Styles sich wo verkaufen, welche Grössen knapp werden, welche Materialien retourniert werden), nicht ihn zu ersetzen.

Das ist eine vertretbare Position. Designteams im Luxussegment profitieren in der Regel mehr von verlässlichen Daten zu Abverkauf, Retouren und regionaler Nachfrage als von Bildgeneratoren, und die Reputationsrisiken sichtbarer KI-Bilder im Luxusbereich sind branchenweit gut dokumentiert.

Wie unterstützen Daten die Supply Chain und den Markenschutz von Moncler?

Über Planung und Nachschub hinaus nutzt Moncler Technologie, um das Produkt selbst zu schützen. Die Mitteilung von 2020 beschrieb ein RFID-NFC-System, mit dem Kundinnen und Kunden ein Kleidungsstück per Smartphone verifizieren können und das damals um Blockchain erweitert wurde. Fashionbi berichtet, dass der Konzern NFC-Authentifizierung und Technologie von Certilogo zur Fälschungsbekämpfung und Rückverfolgbarkeit einsetzt und dass Moncler und Stone Island 2025 Hunderttausende gefälschte Angebote und Produkte entfernen liessen. Eindeutige Artikelkennungen dieser Art bilden zudem die Datengrundlage, die die europäischen Vorschriften zum Produktpass verlangen werden.

Was können andere Premiummarken von Moncler lernen?

  1. Zuerst den Kanal besitzen, dann den Algorithmus. Die Internalisierung des E-Commerce im Jahr 2020 verschaffte Moncler die Kontrolle über Kunden- und Bestandsdaten, auf die spätere Digital- und KI-Projekte angewiesen sind.
  2. Mit dem Betrieb beginnen. Die ersten KI-Anwendungen, die Moncler nannte, waren Planung, Nachschub, Lagerhaltung und Qualitätskontrolle: messbar und für die Kundschaft unsichtbar.
  3. Advisors ausstatten, nicht nur Websites. Eine einheitliche Sicht auf Bestand und Kundschaft in der Hand der Advisors ist die Voraussetzung für jeden KI-Assistenten im Clienteling.
  4. Bei sichtbarer KI selektiv sein. Generative KI zur Verbesserung des Website-Erlebnisses ist ein risikoärmerer Einstieg als KI-generierte Kampagnenbilder.
  5. Die Identität auf Artikelebene mit Daten verknüpfen. NFC- und RFID-Tags sichern heute die Echtheit und morgen die Erfüllung von Rückverfolgbarkeitspflichten.
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Wo liegen die Grenzen der öffentlichen Angaben?

Moncler legt weniger operative Details zu KI offen als manche Wettbewerber. Medienmitteilung und Präsentation zu den Ergebnissen 2025 gehen nicht auf KI-Programme, Kosten oder Renditen ein, und die konkretesten Aussagen zu KI stammen aus dem Jahr 2020. Leserinnen und Leser sollten den Fall daher als Beschreibung erklärter Fähigkeiten und Absichten plus eines berichteten Website-Ergebnisses von 2025 verstehen, nicht als gemessene Darstellung der finanziellen Wirkung von KI.

Häufige Fragen

Nutzt Moncler künstliche Intelligenz?

Ja. Moncler erklärte 2020, dass KI Qualitätskontrolle, Lagerhaltung, Bedarfsplanung und Filialnachschub unterstütze, und plante die Ausweitung auf Empfehlungen, Kundenservice, Merchandising und Preisgestaltung. Im September 2025 lancierte das Unternehmen laut Fashionbi ein neu gestaltetes Moncler.com, das mit generativer KI-Technologie von Google entwickelt wurde.

Was ist Monclient?

Monclient ist die App von Moncler für Client Advisors. Laut der Mitteilung zur Digitalstrategie von 2020 können Advisors damit Bestände kanalübergreifend prüfen, digitale Zahlungen entgegennehmen und After-Sales-Anfragen ohne Kassentheke bearbeiten.

Wie hoch ist der Direct-to-Consumer-Anteil am Umsatz von Moncler?

2025 erzielte die Marke Moncler gemäss der Ergebnismitteilung des Konzerns für das Geschäftsjahr 2025 86,7% ihres Umsatzes von 2'720,9 Millionen Euro über Direct-to-Consumer-Kanäle. Auf den Wholesale entfielen 13,3%.

Entwirft Moncler Kleidung mit generativer KI?

Moncler hat den Einsatz generativer KI beim Entwurf von Kleidungsstücken nicht öffentlich beschrieben. Die offengelegten KI-Anwendungen konzentrieren sich auf Planung, Betrieb, Clienteling und die Website.

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