7. Oktober 2026Internationale Ausgabe
Vol. I · No.
7. Oktober 2026
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Wie kann KI Modemarken bei der Vorbereitung auf den Digitalen Produktpass helfen?

Der Digitale Produktpass der EU macht Produktdaten zu einer regulierten Pflichtleistung. KI kann helfen, diese Daten zu sammeln, zu prüfen und zu strukturieren, aber sie kann nicht erfinden, was Lieferanten nie erfasst haben.

DAS WICHTIGSTE Zusammenfassung der Redaktion

  1. Der Digitale Produktpass (DPP) ist ein digitaler Produktdatensatz auf Grundlage der EU-Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (EU) 2024/1781, der über einen Datenträger wie einen QR-Code zugänglich ist.
  2. Die Europäische Kommission plant, den delegierten Rechtsakt für Textilien, der die Inhalte des Passes für Bekleidung festlegt, im vierten Quartal 2027 zu verabschieden. Verbindliche Anforderungen für die Mode stehen also noch nicht fest.
  3. Das zentrale DPP-Register der Kommission ging am 20. Juli 2026 in Betrieb; es speichert eindeutige Produktkennungen und Metadaten, während die Produktdaten selbst dezentral bleiben.
  4. KI kann helfen, indem sie Daten aus Lieferantendokumenten extrahiert, Produktdatensätze auf Lücken und Widersprüche prüft und Texte für Konsumentinnen und Konsumenten wie Pflegehinweise entwirft.
  5. Die Daten im Pass müssen korrekt und überprüfbar sein. KI-Ergebnisse brauchen deshalb eine menschliche Kontrolle und eine klare Verknüpfung mit den Quelldokumenten.

KI kann Modemarken bei der Vorbereitung auf den Digitalen Produktpass helfen, indem sie verstreute Lieferantendokumente und Produktdatensätze in strukturierte, geprüfte Daten überführt. Sie ist nützlich, um Informationen aus Zertifikaten und Spezifikationen zu extrahieren, Lücken und Widersprüche aufzudecken und Texte zu entwerfen. Verlässliche Herkunfts- oder Zusammensetzungsdaten, die Lieferanten nie geliefert haben, kann sie jedoch nicht erzeugen.

Was ist der Digitale Produktpass?

Der Digitale Produktpass ist ein strukturierter digitaler Datensatz mit Informationen über ein Produkt, der über einen Datenträger am Produkt zugänglich ist. Er wurde mit der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR), Verordnung (EU) 2024/1781, eingeführt. Die ESPR ist ein Rahmengesetz: Produktspezifische delegierte Rechtsakte legen fest, ob ein Pass erforderlich ist und was er enthalten muss.

Für Bekleidungstextilien gibt die Europäische Kommission an, dass der Pass an Online-Verkaufsstellen und über einen Datenträger am Produkt wie einen QR-Code zugänglich sein soll. Laut der Kommission könnte er Produktidentifikation und -merkmale, Faserzusammensetzung, Hinweise zu Nutzung, Reparatur und Pflege, Informationen zum Ende der Lebensdauer und zum Recycling, Herkunfts- und Rückverfolgbarkeitsdaten sowie die Angabe der relevanten Wirtschaftsakteure enthalten.

Ab wann gilt der Pass für die Mode?

Stand Oktober 2026 gibt es keine verbindliche Passpflicht für Bekleidung. Die Kommission hat die Verabschiedung des delegierten ESPR-Rechtsakts für Textilien für das vierte Quartal 2027 vorgesehen. Danach sollen weitere Leitlinien und technische Spezifikationen folgen, und Unternehmen erhalten eine Übergangsfrist, bevor die Pflichten gelten.

Die Infrastruktur wird parallel aufgebaut. Am 20. Juli 2026 gab die Kommission bekannt, dass das zentrale Register für den Digitalen Produktpass in Betrieb ist. Es erfasst eindeutige Produktkennungen und Metadaten, während die Produktdaten selbst dezentral bei den Wirtschaftsakteuren bleiben. Laut der Kommission wurden mit CEN und CENELEC acht harmonisierte Normen entwickelt, von denen sechs zu Kennungen, Interoperabilität, Datenträgern, APIs, Protokollen und Speicherung bereits veröffentlicht sind. Die erste Umsetzungsfrist gilt ab dem 18. Februar 2027 für bestimmte grosse Batterien.

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Wo kann KI bei den Daten für den Pass helfen?

KI-Unterstützung bei der Vorbereitung auf den Digitalen Produktpass
AufgabeWie KI helfen kannWas weiterhin Menschen braucht
Lieferantendaten sammelnExtraktion von Faseranteilen, Herkunft und Zertifikatsangaben aus PDFs, E-Mails und TabellenFehlende Daten anfordern und mit den Lieferanten bestätigen
Datenqualität prüfenMarkieren fehlender Felder, von Widersprüchen wie einer Zusammensetzung, die nicht 100 Prozent ergibt, und von veralteten ZertifikatenEntscheiden, welche Quelle stimmt
Zuordnung und KlassifizierungAbgleich interner Attribute mit künftigen Standardfeldern und CodesZuordnungen freigeben und Regeln für die Stammdaten pflegen
Informationen für die KundschaftEntwürfe für Pflege-, Reparatur- und Entsorgungstexte sowie ÜbersetzungenRechtliche und produktbezogene Prüfung vor der Veröffentlichung
Laufende ÜberwachungWarnungen bei ablaufenden Zertifikaten oder LieferantenwechselnAuf Befunde reagieren und Datensätze aktualisieren

Die praktischsten Fortschritte liegen bei dokumentenlastiger Arbeit. Lieferanteninformationen kommen oft als gescannte Zertifikate, Prüfberichte oder Tabellen in unterschiedlichen Formaten. Sprachmodelle und Tools zur Dokumentenextraktion können diese lesen und strukturierte Werte vorschlagen, die ein Produktdatenteam dann validiert. KI kann zudem die Konsistenz über Tausende Produkte weit schneller prüfen als eine manuelle Kontrolle.

KI kann auch bei der weniger sichtbaren Grundlagenarbeit helfen. Viele Unternehmen führen dasselbe Produkt unter verschiedenen Nummern in PLM, ERP, E-Commerce und Händlersystemen, mit Attributen, die leicht unterschiedlich formuliert sind. Matching-Modelle können vorschlagen, welche Datensätze zusammengehören und wo Beschreibungen abweichen, sodass Datenteams sie zu einem Stammdatensatz zusammenführen können. Übersetzungsmodelle können Informationen für die Kundschaft in den Sprachen der Märkte vorbereiten, in denen ein Produkt verkauft wird, was bei einem Pass, auf den Konsumentinnen und Konsumenten in der ganzen EU zugreifen können, wichtig sein wird.

Auf welcher Ebene ein Pass gilt, etwa Modell, Charge oder Einzelartikel, wird im delegierten Rechtsakt festgelegt. Diese Entscheidung beeinflusst, wie viele Daten verwaltet werden müssen und wie dringend KI-gestützte Automatisierung benötigt wird. Marken können sich vorbereiten, indem sie sicherstellen, dass ihre Kennungen bereits auf Ebene von Modell, Farbe und Grösse funktionieren.

Welche Risiken birgt der KI-Einsatz bei den Daten für den Pass?

Die Informationen im Pass sollen für Konsumentinnen und Konsumenten, Behörden, Reparaturbetriebe und Recycler vertrauenswürdig sein. Damit werden die klassischen Schwächen generativer KI relevant.

  • Erfundene Werte: Sprachmodelle können plausible, aber falsche Daten erzeugen, etwa ein Herkunftsland erraten.
  • Verlorene Herkunft: Jeder Wert sollte mit dem Dokument oder dem Lieferanten verknüpft bleiben, von dem er stammt, damit er überprüft werden kann.
  • Übermässige Automatisierung: Felder, die rechtliche Aussagen betreffen können, wie der Recyclinganteil, brauchen eine menschliche Freigabe.
  • Lücken bei Lieferanten: KI kann keine Informationen über vorgelagerte Lieferanten ergänzen, die die Marke nie erhoben hat.
  • Vertraulichkeit: Lieferantendokumente können kommerziell sensible Informationen enthalten, die ohne Vereinbarungen nicht an externe KI-Dienste übermittelt werden sollten.

Warum ist der Pass auch ein Thema für die Wholesale-Daten?

Die Kommission erwartet, dass Vertriebspartner und Händler die Informationen im Pass für die Transparenz in der Lieferkette nutzen. Für Marken, die über Handelspartner und Marktplätze verkaufen, speisen dieselben Produktdaten, die in einen Pass einfliessen, auch Produktangebote, Bestellplattformen und Händlersysteme. Saubere, gemeinsam genutzte Produktstammdaten dienen deshalb sowohl der Compliance als auch dem Verkauf.

Händler werden einheitliche Kennungen sowie Angaben zu Zusammensetzung, Pflege und Herkunft verlangen, die sie an die Kundschaft weitergeben können. Marken, die einen verlässlichen Produktdatensatz pflegen und an ihre Partner verteilen, werden die Anforderungen an den Pass leichter erfüllen als jene, die mehrere widersprüchliche Versionen pflegen.

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Wie sollten sich Marken jetzt vorbereiten?

  1. Erfassen Sie, welche Produktattribute Sie heute führen, wo sie gespeichert sind und wer sie pflegt.
  2. Sammeln Sie Lieferantendaten zu Faserzusammensetzung, Herkunft und Zertifikaten strukturiert, beginnend mit den Kernmodellen.
  3. Führen Sie eindeutige Produktkennungen und einheitliche Datenregeln über PLM-, ERP- und E-Commerce-Systeme hinweg ein.
  4. Pilotieren Sie KI-gestützte Extraktion und Qualitätsprüfungen an einem begrenzten Sortiment, mit menschlicher Validierung und Quellverweisen.
  5. Verfolgen Sie den delegierten Rechtsakt für Textilien und die veröffentlichten DPP-Normen und passen Sie Ihre Datenmodelle an, sobald die Anforderungen feststehen.

Häufige Fragen

Ab wann gilt der Digitale Produktpass für Kleidung?

Noch nicht. Die Kommission plant, den delegierten Rechtsakt für Textilien im vierten Quartal 2027 zu verabschieden, und die Pflichten gelten nach einer Übergangsfrist, die in diesem Rechtsakt festgelegt wird.

Welche Informationen wird ein Digitaler Produktpass für Textilien enthalten?

Der endgültige Inhalt wird im delegierten Rechtsakt festgelegt. Die Kommission gibt an, dass er Produktidentifikation, Faserzusammensetzung, Pflege- und Reparaturhinweise, Informationen zum Ende der Lebensdauer, Herkunfts- und Rückverfolgbarkeitsdaten sowie die beteiligten Wirtschaftsakteure umfassen könnte.

Kann KI Digitale Produktpässe automatisch erstellen?

KI kann helfen, die Daten zu sammeln, zu strukturieren und zu prüfen und Texte zu entwerfen. Fakten wie Herkunft oder Zusammensetzung kann sie nicht zuverlässig erzeugen. Jeder Wert sollte deshalb auf ein Lieferantendokument oder eine Messung zurückführbar sein und von Menschen geprüft werden.

Was ist das Register für den Digitalen Produktpass?

Es ist ein zentrales EU-Register, seit dem 20. Juli 2026 in Betrieb, das eindeutige Produktkennungen und Metadaten für Pässe erfasst. Die Produktdaten selbst bleiben dezentral bei den Unternehmen, die die Produkte in Verkehr bringen.

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