QR-Code, NFC oder RFID: Welcher Datenträger für den digitalen Produktpass?
Der digitale Produktpass der EU braucht eine physische Verbindung zwischen Kleidungsstück und Daten. Ein praxisnaher Vergleich von QR-Code, Data Matrix, NFC und RFID und was die ESPR tatsächlich verlangt.
DAS WICHTIGSTE Zusammenfassung der Redaktion
- Nach der ESPR muss ein digitaler Produktpass über einen Datenträger mit einer dauerhaften eindeutigen Produktkennung verbunden sein, und der Datenträger muss physisch auf dem Produkt, seiner Verpackung oder den Begleitunterlagen vorhanden sein.
- Die Erwägungsgründe der ESPR nennen den QR-Code und Wasserzeichen als Beispiele für Datenträger, und GS1 hält es für sehr wahrscheinlich, dass der QR-Code für seinen DPP-Anwendungsstandard zugelassen wird, weil Smartphones ihn nahezu flächendeckend lesen.
- RAIN-RFID (UHF) ist für Lieferkette und Filialbetrieb nützlich, wird von Smartphones aber nicht nativ gelesen und dürfte daher kaum als einziger Datenträger für Konsumentinnen und Konsumenten dienen.
- NFC wird von vielen Smartphones nativ gelesen und erlaubt es, gezielt einen einzelnen Tag anzusprechen, ist bei GS1 derzeit aber nicht als zugelassener Datenträger gelistet.
- Textilspezifische Regeln folgen in einem delegierten Rechtsakt, der laut dem von Carbonfact zusammengefassten Arbeitsplan der Kommission für 2027 vorgesehen ist. Marken sollten ihre Wahl des Datenträgers daher flexibel halten.
Für die meisten Modemarken ist ein QR-Code auf dem Pflegeetikett oder einem eingenähten Etikett der wahrscheinlichste primäre Datenträger für den digitalen Produktpass (DPP) der EU, weil die ESPR ihn als Beispiel nennt und fast jedes Smartphone ihn lesen kann. RFID-Tags eignen sich besser für Logistik und Filialen, und NFC kann ein bequemes Antipp-Erlebnis ergänzen. Die endgültige Wahl für Textilien hängt vom delegierten Rechtsakt ab, der noch nicht verabschiedet ist.
Was verlangt die ESPR von einem Datenträger?
Die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte, Verordnung (EU) 2024/1781, trat am 18. Juli 2024 in Kraft. Wie GS1 Artikel 10 zusammenfasst, muss ein Produktpass über einen Datenträger mit einer dauerhaften eindeutigen Produktkennung verbunden sein; der Datenträger muss gemäss dem produktspezifischen delegierten Rechtsakt physisch auf dem Produkt, seiner Verpackung oder den Begleitunterlagen vorhanden sein; Datenträger und Kennung müssen gelisteten oder gleichwertigen Normen entsprechen; und die Passdaten müssen auf offenen Standards beruhen und ohne Bindung an einen Anbieter übertragbar sein.
Die Erwägungsgründe liefern zusätzlichen Kontext. Sie nennen ein Wasserzeichen oder einen QR-Code (Quick Response) als Beispiele für Datenträger, halten fest, dass Datenträger und Kennungen international anerkannten Normen folgen sollen, und sehen ein Register der eindeutigen Kennungen bei der Kommission vor, auf das die Zollbehörden Zugriff haben. Das Papier von GS1 weist darauf hin, dass Anhang III für eindeutige Kennungen auf die Normenreihe ISO/IEC 15459 verweist.
GS1 kommt zum Schluss, dass alle ISO-konformen, international standardisierten Datenträger infrage kommen sollten, sofern die Bedingungen von Artikel 10 erfüllt sind, wobei delegierte Rechtsakte für einzelne Sektoren spezifische Anforderungen ergänzen können.
Wie schneiden QR-Code, Data Matrix, NFC und RFID im Vergleich ab?
| Datenträger | Zugang für Konsumentinnen und Konsumenten | Wichtigste Stärken | Wichtigste Einschränkungen |
|---|---|---|---|
| QR-Code | Von Smartphone-Kameras nahezu flächendeckend lesbar | Günstig, auf Etiketten druckbar, in den Erwägungsgründen der ESPR genannt, kann eine GS1-Digital-Link-Webadresse enthalten | Braucht Platz und muss das Waschen überstehen; ein Code pro Etikett |
| Data Matrix | Uneinheitliche Unterstützung durch Smartphone-Kameras | Bei gleicher Fehlerkorrektur kleiner als ein QR-Code, passt für kleine Artikel | Lesbarkeit für Konsumentinnen und Konsumenten noch nicht gesichert |
| NFC | Von vielen Smartphones nativ per Antippen lesbar | Gezielte Ansprache des gewünschten Tags möglich; kann eine Webadresse enthalten | Derzeit kein zugelassener GS1-Datenträger; höhere Stückkosten als Druck |
| RAIN-RFID (UHF) | Von Smartphones nicht nativ lesbar | Pulklesung in Lagern und Filialen; Bestandsführung und Diebstahlschutz | Als einziger Datenträger für Konsumentinnen und Konsumenten nicht praktikabel |
GS1 schätzt, dass die zu codierenden DPP-Daten rund 40 bis 70 Zeichen umfassen, im Wesentlichen eine Kennung und ein Link, da der eigentliche Inhalt des Passes online liegt und nicht auf dem Tag.

Warum ist der QR-Code in der Mode der wahrscheinliche Standard?
Drei Gründe stechen hervor. Erstens die Reichweite: GS1 hält fest, dass Smartphone-Kameras QR-Codes nahezu flächendeckend unterstützen. Zweitens das regulatorische Signal: Die Erwägungsgründe der ESPR nennen den QR-Code als Beispiel. Drittens Kosten und Prozesstauglichkeit: Ein QR-Code lässt sich ohne neue Hardware in den Fabriken auf bestehende Pflege- oder Markenetiketten drucken. Auch der Leitfaden von Carbonfact für Textilien geht davon aus, dass der Datenträger auf dem physischen Etikett sitzt und der Pass auf Produktebene verwaltet wird.
Die praktischen Herausforderungen sind Haltbarkeit und Gestaltung. Ein gedruckter Code muss auch nach wiederholtem Waschen lesbar bleiben, und das Etikett, auf dem er sitzt, muss über die gesamte Lebensdauer des Kleidungsstücks befestigt bleiben, wenn der Pass Reparatur, Wiederverkauf und Recycling unterstützen soll.
Welche Rolle spielen RFID und NFC?
Viele Modehändler nutzen RAIN-RFID bereits für genaue Bestände. GS1 erklärt, dass RFID eine Digital-Link-Adresse in binärer Form tragen kann, Smartphones sie aber nicht nativ lesen können und unklar ist, wie ein Smartphone einen einzelnen Tag unter vielen ansprechen sollte. RFID ist damit eine starke Ergänzung für Logistik, Filialen und Sortieranlagen, aber ein schwacher alleiniger Kanal zur Kundschaft.
Bei NFC ist es umgekehrt. Viele Smartphones lesen es nativ, und die Nutzerin oder der Nutzer kann gezielt einen einzelnen Artikel ansprechen. Laut GS1 ist NFC derzeit kein zugelassener GS1-Datenträger und würde nur geprüft, wenn die Standard-Community dies verlangt oder eine Regulierung es vorschreibt. Manche Premiummarken könnten NFC zur Echtheitsprüfung zusätzlich zu einem gedruckten Code einsetzen.
Wie kann KI Datenträger für den DPP unterstützen?
KI wählt den Datenträger nicht aus, kann aber die Daten dahinter nutzbar machen. Typische Anwendungen sind:
- Angaben zu Zusammensetzung, Herkunft und Zertifikaten aus Lieferantendokumenten in strukturierte Felder des Passes extrahieren.
- Passdatensätze vor dem Druck der Codes auf fehlende oder widersprüchliche Werte prüfen.
- Aus strukturierten Daten verständliche Zusammenfassungen und Übersetzungen der Passinhalte für Konsumentinnen und Konsumenten erstellen.
- Doppelt vergebene oder wiederverwendete Kennungen über Produkte hinweg erkennen.
All dies hängt von sauberen Produktstammdaten ab. Ein gut gestalteter Datenträger, der auf einen unvollständigen Datensatz verweist, erfüllt den Zweck der Verordnung nicht. Marken sollten zudem früh entscheiden, auf welcher Ebene sie Produkte identifizieren, etwa pro Style, pro Farbe und Grösse oder pro Einzelstück, denn diese Wahl beeinflusst die Etikettenproduktion, die Kosten und das, was der Pass später über die Geschichte eines einzelnen Kleidungsstücks zeigen kann.
Wann werden die Anforderungen für Textilien bekannt sein?
Laut der Zusammenfassung von Carbonfact zum Arbeitsplan der Kommission für 2025 bis 2030 sind Bekleidung und Textilien eine Produktgruppe mit höchster Priorität; die Verabschiedung des delegierten Rechtsakts ist für 2027 geplant, mit einer Übergangsfrist von mindestens 18 Monaten, die im Rechtsakt selbst festgelegt wird. Marken haben also Zeit, aber nicht viel, um Datenträger in der Produktion zu testen.

Was sollten Marken jetzt tun?
- Ein Schema für eindeutige Kennungen nach ISO/IEC 15459 festlegen, etwa eine GS1-Kennung mit Digital Link.
- Einen QR-Code auf Pflegeetiketten pilotieren und die Lesbarkeit nach wiederholtem Waschen testen.
- Erfassen, wo RFID bereits eingesetzt wird und ob dieselbe Kennung codiert werden kann.
- NFC nur für Kategorien prüfen, in denen Echtheitsprüfung oder ein Premiumerlebnis die Kosten rechtfertigen.
- Die Datenpipeline für den Pass ab den Lieferanten aufbauen, denn der Datenträger ist nur ein Verweis auf diese Daten.
Häufige Fragen
Muss der digitale Produktpass ein QR-Code sein?
Nicht zwingend. Die ESPR verlangt einen Datenträger, der mit einer eindeutigen Produktkennung verbunden ist und anerkannten Normen folgt, und nennt den QR-Code als Beispiel. Der konkrete Datenträger für Textilien wird im delegierten Rechtsakt für Textilien festgelegt.
Können RFID-Tags für den DPP verwendet werden?
RAIN-RFID kann die Kennung tragen und ist in der Modelogistik weit verbreitet, doch Smartphones können es nicht nativ lesen. Es ist daher am besten als Ergänzung zu einem für Konsumentinnen und Konsumenten lesbaren Datenträger wie einem QR-Code zu sehen.
Wo sollte der Datenträger an einem Kleidungsstück angebracht werden?
Die ESPR verlangt, dass der Datenträger gemäss dem delegierten Rechtsakt physisch auf dem Produkt, seiner Verpackung oder den Begleitunterlagen vorhanden ist. Für Textilien deuten die bisherigen Leitlinien auf das Etikett des Kleidungsstücks hin, das über die Lebensdauer des Produkts lesbar bleiben muss.
Ab wann brauchen Modemarken einen digitalen Produktpass?
Der delegierte Rechtsakt für Textilien ist laut Carbonfact gemäss dem Arbeitsplan der Kommission für 2027 geplant, mit mindestens 18 Monaten für die Umsetzung. Die genauen Daten werden im Rechtsakt festgelegt.
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